Unsere Geschichte

Auszugsweise der Festschrift „Unterwegs mit Gott“ entnommen, welche zum 100-jährigen Gemeindejubiläum in 2010 erschien ist.

Die Wurzeln für die Bildung Freier evangelischer Gemeinden im Hessischen Hinterland und damit auch in Hartenrod und Schlierbach reichen in das 19. Jahrhundert hinein. In beiden Orten gab es damals schon „erweckte“ Kreise, die sich in „Stuben“ versammelten, um sich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und miteinander zu beten.

Das Neukirchener Missionswerk beginnt

Im Jahre 1881 kommt es zu einer Begegnung, die maßgeblichen Einfluss auf die späteren Gemeindegründungen im Hinterland nehmen sollte:


Johann Ludwig Stoll


Der Schlierbacher Johann Ludwig Stoll (*1826 †1915) hatte Kontakt zum Neukirchener Missionswerk und dessen Leiter Ludwig Doll (*1846 †1883). Ihn lud Stoll wegen seiner angeschlagenen Gesundheit zu einem Genesungsurlaub zu sich ein. Als Doll wieder zu Kräften gekommen war, verkündigte er für einige Wochen in den schon bestehenden „Versammlungen" in Schlierbach und Umgebung das Evangelium. Der Hunger nach evangelistischer Verkündigung war aber so groß, dass Neukirchen in 1882 den Evangelisten Gustav Klein (*1855 †1946) und in 1901 den Prediger Friedrich August Dücker (*1864 †1937) ins Hinterland entsandte. Der Wirkungsbereich der beiden erstreckte sich von Runzhausen im Landkreis Marburg - Biedenkopf bis Offenbach / Dillkreis mit 15 verschiedenen Ortschaften. Johann Ludwig Stoll kann somit als Wegbereiter für die segensreiche Missionstätigkeit Neukirchens im Hessischen Hinterland angesehen werden. Erst nach 1900 entstanden aus dieser Bewegung Freie evangelische Gemeinden. Sie waren über viele Jahrzehnte als Gebietsgemeinden mit einem gemeinsamen Prediger - heute würden wir ihn Pastor nennen - miteinander verbunden.

Wenn Gottes Winde wehen, dann ist es selige Zeit

Es waren vor allem die Wintermonate in den Jahren 1907 und 1908, in denen viele Menschen durch die Verkündigung des Evangeliums angesprochen wurden.


Wilhelm Seitz, Gemeindeältester in Hartenrod von 1912-1948

Wilhelm Seitz (*1879 †1948), langjähriger Gemeindeältester in Hartenrod, beschreibt diese Jahre so: „Wir erlebten wunderbare Zeiten. Es wurde Frühling im Lande, überall Leben aus den Toten. In Hartenrod und fast allen Orten der Umgegend waren Erweckungen. Es war ganz groß; Leute, die zum ersten Mal unter das Evangelium von Jesus kamen, wurden ergriffen und zur Buße geleitet. Der Geist Gottes wirkte Wunder. So entstanden hier und in den umliegenden Orten Gemeinden, die nicht gemacht, sondern geworden sind. Wir erlebten das Dichterwort: Wenn Gottes Winde wehen vom Thron der Herrlichkeit und durch die Lande gehen, dann ist es selige Zeit!“

Vereinshäuser werden gebaut

Wilhelm Seitz berichtet weiter: „Welch ein Leben unter denen, die der HERR nun zusammen tat, die vor der Grundlegung der Welt erwählt und nun herausgerettet waren. Welche Freude, wenn man sich sehen durfte. Wie half man sich untereinander, ohne Aufforderung. Eine selige Zeit!


„Vereinshaus“ Hartenrod, in 1910 erbaut und um 1972 abgerissen; die
politische Gemeinde benötigte den Platz für die Erweiterung des
Dorfgemeinschaftshauses


Vereinshäuser wurden gebaut und wie! Am Abend beschlossen und am anderen Morgen früh standen schon die Brüder mit ihren Hacken an der Arbeit. Einige Brüder und ich durften das Fuhrwerk machen. Bald stand es da. Ja, wo die Freude am Herrn das Ganze erfüllt, lässt sich viel machen. So waren es schöne Jahre bis der 1. Weltkrieg ausbrach und die Pflicht fürs Vaterland die Brüder auseinander riss.“


Schlierbacher „Vereinshaus“, in 1910 erbaut, bis 1974 Heimat der bis
dahin selbständigen FeG, bis 2008 Treffpunkt der Sonntagschule
Schlierbach, jetzt leerstehend

Sonntagschulen entstehen

Johann Ludwig Stoll kann auch als Gründer der Schlierbacher Sonntagschule angesehen werden. Zusammen mit seiner Frau lud er die Kinder des Dorfes sonntags in sein Haus ein, um ihnen biblische Geschichten zu erzählen. Damit dürfte er um 1895 begonnen haben. Aus diesen Anfängen entwickelte sich die Sonntagschule, die mehr als hundert Jahre bestehen und ein Schwerpunkt der Gemeindearbeit in Schlierbach bilden sollte.


Sonntagschule Schlierbach in 1949, konfessionsübergreifend werden alle
Kinder des Dorfes erreicht. Hier sind es 65 (von 416 Einwohnern eine
beachtliche Zahl!)


In Hartenrod wurde nach der Kirchenchronik mit der Sonntagschularbeit im Jahre 1907 begonnen. Otto Koch war der erste verantwortliche Leiter. Nach 1912 übernahm Wilhelm Seitz diese Aufgabe. Es wird berichtet, dass die Sonntagschularbeit in der Anfangszeit durch mancherlei Schwierigkeiten und Anfeindungen hindurch gegangen sei.

Die Schlierbacher werden Mitglied im Bund Freier evangelischer Gemeinden

Das Jahr 1910 war für die Gemeinde Schlierbach in zweierlei Hinsicht bedeutsam: Zum einen wurde das „Vereinshaus" gebaut und zum anderen die Mitgliedschaft in der Bundesgemeinschaft Freier evangelischer Gemeinden vollzogen. Dazu erschien im „Gärtner" vom 12.6.1910 folgender Bericht von der Bundeskonferenz in Solingen: „Auch aus dem Hessenlande lagen verschiedene Anmeldungen vor. Die Versammlungen in den Ortschaften Endbach, Günderoth, Offenbach, Schlierbach und Ueberntal sind in den Bund aufgenommen worden. Es ist uns eine Freude, daß die uns so nahe verwandten Kreise sich nun auch insofern nähern, daß manche sich bereit finden lassen, mit uns zusammen zu gehen. ..."

Der treue Herr hat sein Werk gedeihen lassen

Gerhard Monning, langjähriger Prediger im Gebiet, machte in 1953 unter einem Bericht an den Bund FeG diesen handschriftlichen Vermerk:


Gerhard Monning, Prediger von 1934-1953

„Von 1934 bis heute diente Br. Prediger G. Monning und von November 1952 Br. Prediger Hans Flick den Gemeinden. Der treue Herr hat sein Werk grünen, blühen und Frucht bringen lassen, sodaß wir heute durch Gottes Gnade etwa 550 Abendmahlsmitglieder haben. Auch dienen in unseren Gemeinden nun 9 Chöre dem Herrn. Alles in Allem, der Herr hat Großes getan.“ 


Auszug eines Berichts an den Bund vom 27.3.1953 mit handschriftlicher Ergänzung von Gerhard Monning

Die selbständigen Gemeinden Hartenrod und Schlierbach vereinigen sich

Der 8.9.1974 war ein besonderer Tag im Gemeindeleben. Das neu errichtete Gemeindezentrum im „Neuen Weg“ wurde eingeweiht. Die bis dahin selbständigen Gemeinden Hartenrod und Schlierbach vereinigten sich zur FeG Hartenrod/Schlierbach. Damit wurde die jahrzehntelange Zusammenarbeit beider Gemeinden wie die gemeinsame Chor- und Jugendarbeit und die gemeinsamen Predigtgottesdienste auch auf die übrigen Arbeitsbereiche ausgedehnt. Nur die Sonntagschularbeit in Schlierbach wurde eigenständig fortgeführt.

Neue LebensRäume entstehen

In einer Festwoche im Mai 2000 - es waren „Tage der offenen Türen“ - konnten die durch An- und Umbau entstandenen neuen Räume „in Betrieb genommen“ werden. Drei neue Gruppenräume für Kinder-, Jugend- und Bibelgesprächskreise, ein neues Foyer, eine neue Küche, eine Behinderten-Toilette und ein Abstellraum waren entstanden.

Die Gemeindeältesten

In der Gemeinde Schlierbach:
1905 - 1955
Theodor Seitz (*1877 † 1967)
1955 - 1974
Karl Herrmann (*1898
† 1975)

In der Gemeinde Hartenrod:
1905 - 1912 Otto Koch
1912 - 1948 Wilhelm Seitz (*1879 † 1948)
1948 - 1955
Ludwig Junker (*1871 † 1960)
1955 - 1984
Gustav Happel (*1911 † 2002)
ab 1974
nach dem Zusammenschluss mit Schlierbach gibt es Gemeinde-Leitungskreise in unterschiedlicher Besetzung

Die Prediger / Pastoren / Praktikanten:

1901 - 1937 Friedrich August Dücker:
1925 - 1933 Hermann Schmidt
1934 - 1953 Gerhard Monning
1952 - 1961 Hans Flick
1957 - 1958 Oskar Achenbach
1958 - 1961 Samuel Stutz
1961 - 1966 Erhard Hensel
1962 – 1968 Kurt Gutberlet
1969 - 1979 Hans Georg
(Mit Georgs Dienstantritt wurde die erste Gebietsteilung wirksam; er war zuständig für die Gemeinden Hartenrod, Schlierbach, Oberndorf, Offenbach, Bischoffen und Günterod; das restliche Gebiet mit den Gemeinden Bad Endbach, Wommelshausen, Weidenhausen und Runzhausen gehörte zum Arbeitsbereich von Berthold Müller)

1979 - 1980
Gerhard Fuhrmann
(Als Japan-Missionar im Heimataufenthalt übernahm er nach dem Weggang von Hans Georg das Gebiet Hartenrod/Schlierbach, Oberndorf, Offenbach, Bischoffen und Günterod)

1980 - 1986
Ulrich Bernhardt
(Mit ihm wurde die zweite Gebietsteilung wirksam; U. Bernhardt war der erste Pastor für den neu entstandenen Bezirk, der aus den drei Gemeinden Hartenrod/Schlierbach, Oberndorf und Wommelshausen bestand)

1986 - 1992
Diethelm Bedenbender
(D. Bedenbender war der zweite Bezirksprediger)

1993 - 1994
Hans Robert Koch
(H. R. Koch war als Praktikant der dritte Bezirksprediger)

1994 - 2000
Uwe Klüter
(Mit ihm wurde die dritte Gebietsteilung wirksam; U. Klüter war der erste eigene Pastor unserer Gemeinde)
2001 - 2009 Jörg Manderbach
(J. Manderbach war der zweite eigene Pastor)

ab 2010
Burkhard Rein
(B. Rein ist der dritte eigene Pastor)

Quellennachweis:

Jubiläumsschrift: "100 Jahre FeG Hartenrod/Schlierbach“, 2010
Jubiläumsschrift: "100 Jahre FeG Günterod“, 2000
Jubiläumsschrift: "100 Jahre FeG´s im südlichen hessischen Hinterland", 1982
Jubiläumsschrift: "75 Jahre FeG´s Hartenrod und Umgebung", 1956
Wilhelm Seitz: „Einiges aus meinem Leben für meine lieben Kinder“, 1938


Einige Exemplare der Festschrift „Unterwegs mit Gott“  sind noch
an unserem Büchertisch erhältlich. Wenden Sie sich einfach an unser Büchertisch-Team oder schicken eine Mail an: hartenrod-schlierbach (at) feg.de